25
März
2018

Festung Europa: Viele Flüchtlinge träumen von Melilla

Suleimann aus Guinea sitzt in Marokko kurz vor Melilla fest. Suleimann kommt aus West∙afrika. Seine Heimat ist Guinea. Nach vielen Wochen auf der Flucht ist er nun in Marokko angekommen. Und Melilla ist ganz nah.

B1 • Hohenheimer-Index: 17.70 • ⏲: 5-7 Min.

von Melinda Melcher

Lektorat: Laura Heidrich | Produktion: Melinda Melcher | Bild: CC0 | Quelle: sda

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INFO
Guinea ist ein Staat in West∙afrika. Guinea grenzt an Guinea-Bissau, Senegal, Mali, die Elfenbein∙küste, Liberia, Sierra Leone und den Atlantik. Guinea war einmal eine französische Kolonie. Seit dem 2. Oktober 1958 ist Guinea unabhängig.


Suleimanns Reise endet erstmal in einem kleinen Zelt∙lager auf einem Hügel in der Nähe von Nador. Er will aber bald den gefährlichen Zaun bei Melilla hoch·klettern (Identität von der Redaktion geändert).

NADOR

In den umliegenden Wäldern bei Nador gibt es grosse und kleine Zelt∙lager mit vielen Flüchtlingen. 700 bis zu 2000 Flüchtlinge leben in solchen Zelt∙lagern. Die meisten von ihnen kommen aus Afrika. Boubaker Diallo von der Hilfs∙organisation Asticude sagt: Für die meisten endet die Reise hier in den marokkanischen Wäldern. Die Grenz∙zäune bei Melilla sind zu hoch. Nur wenige schaffen es, darüber zu kommen.

MELILLA


Wie auch Suleimann sind viele Flüchtlinge aus Afrika über die westliche Route auf dem Mittelmeer geflüchtet. Seit einem Jahr kommen sie über Marokko und Algerien nach Europa. Genauer gesagt seit dem Flüchtlings∙abkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und der Türkei vom 18.3.2016.

Städte wie Nador oder Melilla sind für viele Flüchtlinge aus Afrika ein beliebtes Ziel. Nador ist eine grössere Stadt in Marokko und nicht weit von Melilla entfernt. Melilla ist eine spanische Enklave in Marokko. Hinter den Grenz∙zäunen dieser beiden Städte liegt Europa. Dahin wollen die Flüchtlinge. Insgesamt sind letztes Jahr 23'143 Menschen über die westliche Mittelmeer∙route nach Europa gekommen.

Suleimann sagt: Alles ist besser als meine Heimat. Ich bin geflüchtet, weil ich meine Familie ernähren möchte. In Guinea kann ich meine vier Kinder und meine Frau nicht ernähren. Suleimann ist verletzt. Seine linke Schulter ist verstaucht. Er muss seinen Arm für einige Wochen in einer Schlinge vor dem Bauch tragen. Mit seiner Verletzung kann sich Suleimann nicht auf ein Boot ziehen, falls er von Melilla Richtung Spanien fahren will. Doch vorher muss er zuerst nach Melilla kommen. Und mit seiner Verletzung kann er auch nicht die sechs Meter hohen Zäune an der spanischen Grenze hoch∙klettern. Darum ist er jetzt enttäuscht.

Vom Hügel aus sieht er das spanische Melilla. Dort ist die einzige Land∙grenze Europas mit Afrika. Europa fängt darum für viele Flüchtlinge in Melilla an. Deswegen versuchen Gruppen von Flüchtlingen immer wieder, den hohen Grenz∙zaun aus Stachel∙draht hoch∙zu∙klettern.

Viele werden dabei verletzt. Suleimann ist trotzdem entschlossen, die grossen Anstrengungen der weiteren Flucht Richtung Europa später fortzusetzten. Auch er will den gefährlichen Zaun hoch·klettern.

FESTUNG EUROPA

Seit die EU mit der Türkei ein Flüchtlings∙abkommen vereinbart hat, kommen weniger illegale Flüchtlinge über die Ägäis und die griechischen Inseln nach Europa. Das heisst: Seit dem Abkommen vom 18.3.2016 wird Europa stark bewacht und gesichert. Dafür sorgt die EU-Grenz∙agentur Frontex. Sie regelt die Zusammen∙arbeit der Mitglied∙staaten an den Aussen∙grenzen der Europäischen Union. Das heisst: Frontex hat seit 2004 die Aufgabe, die Grenzen um Europa zu schützen. Unerlaubtes Ein·reisen ist jetzt viel schwieriger. Darum spricht man auch öfter von der «Festung Europa». Denn ein unerlaubtes Eindringen in Europe ist heute dank Frontex sehr schwer. Frontex sagt: Insgesamt sind rund 205 Tausend Flüchtlinge nach Europa gekommen. Das sind 89 Prozent weniger als 2015.

Dafür kommen viele Flüchtlinge jetzt über die westliche Mittelmeer∙route. Sie flüchten nun öfter aus Tunesien, Algerien oder Marokko nach Europa. Denn in diesen Ländern gibt es zurzeit grosse Probleme mit den Regierungen. Es ist auch schon zu einigen Aufständen gekommen. Fabrice Legger ist der Direktor von Frontex. Er sagt: Rund zwei Drittel der Flüchtlinge kommen aus Afrika. Sie kommen zum Beispiel aus Guinea, Gambia oder von der Elfenbein∙küste.

2017: WIEDER MEHR FLÜCHTLINGE

Letztes Jahr hat Frontex die meisten illegalen Ein·reisen seit 2009 gezählt. Es waren 23'143. Deshalb muss Frontex die Grenzen weiterhin gut bewachen. Stefano Torelli ist Experte für Migration. Migration ist das Fach·wort für Ein·wanderung. Er sagt: Insgesamt flüchten weniger Menschen über die westliche als über die östliche Mittelmeer·route oder über Libyen. Dennoch kommen weiterhin viele Flüchtlinge über die Grenzen. Die EU reagiert mit kurz·fristigen Massnahmen. Und sie verstärkt die Grenz∙kontrollen. Das ist aber nicht genug. Die EU muss auch lang·fristige Lösungen finden. Das heisst: Die Menschen brauchen in ihren Herkunfts∙ländern Hilfe. Nur wenn die Lebens∙bedingungen der Menschen in ihren Ländern besser werden, gibt es weniger Flüchtlinge.

INFO
Flüchtlings·abkommen vom 18.3.2016
Mit dem Flüchtlings∙abkommen vom März 2016 wollten die Europäer und Türken die illegale Ein·wanderung über die Ägäis stoppen. Wer seither von der Türkei aus zu den griechischen Inseln flieht, muss mit der Rück·führung in die Türkei rechnen. Das heisst: Gefasste Flüchtlinge müssen wieder in die Türkei zurück. So haben diese Menschen nur geringe Chancen, auf legale Weise nach Europa zu kommen. Das heisst: Sie reisen ohne Erlaubnis nach Europa ein und leben dort dann meist versteckt ohne Schutz und Rechte.


KULTUR∙TIPP
-> Ausstellung und Dokumentar∙film «cahier africain» (119 Minuten), von Heidi Specogna im Helm∙haus (Museum). «Cahier africain» ist Französisch und heisst: afrikanisches Heft.

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WÖRTER·BUCH


Enklave
Eine Enklave ist ein kleines Gebiet eines Staates, das vom Haupt·gebiet dieses Staats völlig abgetrennt ist. Das heisst: Enklaven liegen meist innerhalb eines anderen Staats. Melilla zum Beispiel liegt im Staats·gebiet von Marokko und ist vollständig von Marokko umgeben. Melilla ist also ein spanisches Gebiet, auch wenn es in Marokko liegt.

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